Artikel aus der Cavallo September 06, Forum- Leserbrief von Tanja Müller, 50769 Köln
„Wie im Horrorfilm“
Seit einigen Jahren beobachte ich, dass sich eine gelbblühende Pflanze immer stärker breit machte. Niemand
konnte mir sagen, was ich da auf meinen Weiden hatte. Im Mai 2006 wuchs die
Pflanze besonders stark.
Ende des Monats bekam mein Kaltblutwallach Schiller
eine extrem geschwollene, rote Nase wie bei einem Sonnenbrand. Eine Woche lang
suchten mehrere Tierärzte ohne Erfolg nach der Ursache. Die Blutwerte deuteten
auf eine schwere Lebervergiftung. Ich brachte das Pferd in eine Klinik, wo man
ihn an den Tropf mit Kochsalzlösung hängte. Die Symptome verschlimmerten sich.
Die Haut an der geschwollenen Nase und an den weißen Beinen ließ sich in großen
Partien ablösen, wie in einem Horrorfilm. Dann begann er wild im Kreis
herumzulaufen. Wir konnten ihn am 5.06. nur einschläfern, weil er noch eine Braunüle vom Tropf am Hals hängen hatte. Sonst hätten wir
ihn nicht solange stillhalten können, bis die Spritze gesetzt war.
Nur einer von den acht Klinikärzten kann auf die Idee,
dass Jakobskreuzkraut die Ursache sein könnte. Während Schiller noch in der
Klinik war, zeigte auch mein Kaltblutwallach Strolch Vergiftungssymptome.
Ich brachte ihn in die Klinik, auch er bekam
Kochsalzlösung. Sein Zustand verschlimmerte sich drastisch, auch er musste
wenige Tage später eingeschläfert werden. Meine beiden anderen Pferde standen
auf einem anderen Teil der Weide, zeigten aber ebenfalls die bei
Jakobskreuzkraut typischen Vergiftungserscheinungen wie besonders
Sonnenempfindlichkeit oder Konditionsverlust, wenn auch nicht so stark wie die
anderen. Ob sie überleben ist fraglich. Ich kenne keinen Fall, in dem ein Pferd
durchgekommen wäre. Wir behandeln derzeit mit Cortison und einem homoöpathischen Mittel für Nieren und Leber. Damit geht es
den Tieren zumindest nicht schlechter. Das Kraut breitet sich in meiner Region
derzeit rasend schnell aus, aber die Gefahr wird in Deutschland massiv
unterschätzt. In der Schweiz muß jedes Vorkommen
gemeldet werden, in anderen Ländern immerhin dadurch entstandene Todesfälle.
Hier dagegen glauben die Leute- sofern
sie überhaupt um den Gefahr wissen- immer noch, dass ihre Pferde das Kraut
schon nicht fressen werden oder dass es spätestens im Heu unschädlich ist, was
leider nicht stimmt.